Chinesische Medizin, damit Yin und Yang im Gleichgewicht sind

Interview mit der praktischen Ärztin und TCM-Expertin Sabine Patzek aus München 

Im alten China gingen die Menschen auch zum Arzt, wenn sie gesund waren. Denn sie waren davon überzeugt, dass ein guter Heiler Störungen beheben konnte, bevor sie sich zu Krankheiten entwickelten. Einem mittelmäßigen Heiler trauten die Chinesen diese Fähigkeit nicht zu – ihrer Meinung nach konnte er nur Krankheiten behandeln, wenn sie schon offensichtlich waren.

„In der chinesischen Medizin gilt, dass ein Mensch gesund ist, wenn Yin und Yang im Gleichgewicht sind und die Organe harmonisch zusammenarbeiten“, erklärt die praktische Ärztin Sabine Patzek aus München, die sich auf die Fachgebiete Naturheilkunde und Akupunktur spezialisiert hat.

„Kurzfristige Störungen kann ein gesunder Körper ausgleichen, denn die Organe unterstützen sich gegenseitig. Kommt es zu Mangel oder Fülle eines Organs, tritt das Partnerorgan in Aktion. Zudem trägt das vorgelagerte Organpaar dazu bei, wieder ins Gleichgewicht zu kommen.“ Positive und negative Einflüsse betreffen also nicht nur ein einzelnes Organ, sondern den ganzen Körper.

Chinesische Medizin: Wie entstehen Krankheiten?

Erst wenn es in einem oder in mehreren Organen über längere Zeit zu viel oder zu wenig Yang bzw. Yin gibt und die anderen Organe dieses Ungleichgewicht nicht mehr harmonisieren können, kommt es laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) zu Beschwerden:

  • „Krankheiten der Yang-Wurzel“ stehen im Zusammenhang mit Energie (Qi) und Wärme. Dazu gehören Qi-Mangel, Yang-Mangel und Yang-Fülle.
  • Bei „Krankheiten der Yin-Wurzel“ geht es um die Substanz (Knochen, Gewebe, Muskeln, Gehirnmasse) und die Körpersäfte, zu denen auch das Blut gehört. Dieser Kategorie ordnet man Blut-Mangel, Yin-Mangel und Yin-Fülle zu.

TCM: Krankheitsauslösende Faktoren

In einem gesunden Körper sind Yin und Yang im Gleichgewicht. „Wenn aber die komplementären Kräfte aus dem Lot kommen, wird der Körper empfänglich für schädigende Einflüsse“, so die TCM-Expertin. In der chinesischen Medizin unterscheidet man drei Kategorien von „krankheitsauslösenden Faktoren“:

  • Die „Sechs Bösartigen Einflüsse“ wirken von außen auf den Körper ein oder
    entstehen innerlich. Beide Arten entwickeln ähnliche Symptome und werden als
    klimatische Phänomene beschrieben: Wind, Kälte, Feuer oder Hitze, Feuchtigkeit, Trockenheit und Sommerhitze.
  • Die „Sieben Emotionen“ Freude, Ärger, Traurigkeit und Kummer, Schwermut,
    Angst und Furcht können Krankheiten hervorrufen, wenn sie lange Zeit fehlen oder im Übermaß auftreten.
  • Auch der Lebensstil und die Gewohnheiten können die Gesundheit beeinflussen.
    Dazu gehören die Ernährung, die körperlichen und sexuellen Aktivitäten.

Sabine Patzek arbeitet als praktische Ärztin in München (www.praxiszentrum-saarstrasse.de), ihr Schwerpunkt liegt im Bereich Naturheilverfahren und Akupunktur  1999 veröffentlichte sie zusammen mit Karin Hertzer das Buch „Traditionelle chinesische Medizin für Frauen“ (Trias).